Deutschlands Sehenswürdigkeiten verteilen sich über das ganze Land – schaut man aber nur auf den Rhein, reihen sich Dom, Burgen, Weinort und Apfelwein auf einer einzigen Achse auf. Von Köln nach Frankfurt ist es rund eine Stunde mit dem ICE, dazwischen liegt das Welterbe Mittelrheintal: eine Geografie, aus der sich vier dichte Tage leicht bauen lassen.
Dieser Artikel behandelt zwölf Ziele entlang des Rheins, aufgeteilt in drei in Köln, sechs im Tal und drei in Frankfurt – mit Preisen, Zeitbedarf und dem jeweils nächsten Schritt (Berlin, München und Neuschwanstein sind nicht dabei). Preise und Regeln, Stand Juli 2026.
Zuerst die Geografie – am Fluss entlang von Nord nach Süd
Diese zwölf Ziele reihen sich am Rhein und an seinem Nebenfluss Main auf. Köln im Norden und Frankfurt im Süden sind die beiden Standorte, rund eine Stunde mit dem ICE auseinander. Das Tal liegt dazwischen, Sie können also von beiden Städten aus einen Tagesausflug dorthin machen.
Drei in Köln – Welterbe, sobald man den Bahnhof verlässt
Kölns Sehenswürdigkeiten liegen konzentriert eine Gehminute vom Hauptbahnhof. Selbst ein 90-minütiger ICE-Umstieg reicht, um das Kirchenschiff zu sehen – machen Sie aus dieser Stadt also keine bloße Durchfahrt.
Kölner Dom – 157 m, gebaut in 632 Jahren
Man tritt aus dem Bahnhof, und das Blickfeld ist von schwarzem Fels verstellt. 1248 begonnen und, nach langen Unterbrechungen aus Geldmangel, erst 1880 vollendet – getreu den mittelalterlichen Plänen über 632 Jahre hinweg errichtet, der Gipfel der Gotik, mit 157 m hohen Doppeltürmen. Innen zieht das 43 m hohe Mittelschiff den Blick mit Gewalt nach oben. Die Glasfenster der Seitenschiffe reichen von mittelalterlichen Arbeiten bis zum Südquerhausfenster von Gerhard Richter, dessen zersplitterte Farben wie Pixel angeordnet sind – eine Chronik aus Licht.
⚠Seit Juli 2026 ist der touristische Besuch kostenpflichtig – Erwachsene 12 €, Schüler ab 14 Jahren 6 €, Kinder bis 13 Jahre frei (der Besuch zum Gottesdienst bleibt kostenlos). ⚠Weil sich die Regelung kurz nach Einführung noch ändern kann, vor dem Besuch die offizielle Website prüfen (Kölner Dom besuchen).

Der Südturm – 533 Stufen Wendeltreppe und eine 24-Tonnen-Glocke
6 €, rund 100 m hinauf. Der Eingang liegt rechts der Fassade im Untergeschoss, und die 533 Stufen der Wendeltreppe haben keinen Aufzug und kaum Platz zum Ausweichen. In der Glockenstube auf halbem Weg geht man direkt neben dem „Decken Pitter”, der Petersglocke mit rund 24 Tonnen, einer der größten freischwingenden Glocken Europas, vorbei. ⚠Das ist ein Kraft-Vorschuss, also früh am Morgen – vor dem Andrang und bevor es heiß wird. Nach dem Abstieg lohnt die Schatzkammer (6 €, Kombi mit Turm 8 €) im Untergeschoss auf der Bahnhofsseite mit Reliquien ab dem 4. Jahrhundert.
Hohenzollernbrücke – der klassische Blick zurück auf den Dom
Die Eisenbahnbrücke, die hinter dem Dom weiterführt. Über den Fußweg gehen und sich zum Dom umdrehen ist die klassische Bildkomposition, und das Geländer ist voller Liebesschlösser. Es ist ein natürlicher Abschluss des Besuchs, und damit braucht Köln einen halben Tag. Von hier sind es rund eine Stunde nach Frankfurt, und nach Amsterdam gibt es Direktzüge.
Sechs im Mittelrheintal – Schiff, Burg, Höhe und Wein
Der Trick beim Welterbe Mittelrheintal ist, es als Kette von Fahrten zu planen. Flussab schippern, zur Burg hinauf, mit dem Sessellift auf die Höhe – in dieser Reihenfolge passt es sauber in einen Tag.
Die Rheinschifffahrt – rund 100 Minuten von Rüdesheim nach St. Goar
Das ist die optimale Etappe. Pfalzgrafenstein, die Loreley und Burg Katz kommen hintereinander, und flussab fährt man mit der Strömung, also auch schneller. Die KD verlangt einfach rund 27 €, eine Reservierung ist nicht nötig – man kauft am Schalter des Anlegers eine Tageskarte und geht an Bord (30 Minuten vor Abfahrt da zu sein, ist der sichere Puffer). Mit Vorlage eines Bahntickets gibt es bis zu 20 % Rabatt.
⚠Die KD-Linienschiffe ruhen von Ende Oktober bis Anfang April. Wer die Schifffahrt zum Rückgrat der Reise macht, muss den Monat vor dem Datum festlegen. ⚠Sichern Sie sich die rechte Deckseite in Fahrtrichtung – der Loreleyfelsen und Burg Katz ziehen steuerbord vorbei. Nach Rüdesheim, wo das Schiff startet, sind es von Frankfurt rund 1 Std. 40 Min. mit dem Nahverkehr (Rheinschifffahrt: Burgen und Loreley).
Burg Pfalzgrafenstein – ein Zollhaus mitten im Fluss
Vor Kaub erscheint eine weiße Burg, als schwimme sie mitten im Fluss. Der Kaiser ließ sie 1327 auf der Insel errichten, um Zoll von der Rheinschifffahrt zu erheben, und der schiffsförmige fünfeckige Grundriss war dafür gedacht, Eisschollen und Treibholz abzuweisen. Diese Komposition bekommt man nur vom Wasser aus, also gehört die Mitte der Fahrt aufs Deck.
Die Loreley – 132 m Fels über einer Engstelle von 113 m
Gegen Ende rückt steuerbord eine Felswand heran: die Loreley. Sie erhebt sich 132 m über der schmalsten (rund 113 m) und schnellstfließenden Stelle des Rheins, und die vielen dort verlorenen Schiffe brachten die Sage von der singenden Jungfrau hervor, die Schiffer ins Verderben lockt. Zu wissen, dass die Geländeform vor der Sage kam, verändert das Gewicht des Felsens, wenn man ihn sieht.
Burg Rheinfels – die Terrasse ist der beste Platz am Fluss
Über dem Anleger St. Goar thront die größte Burgruine am Rhein (Eintritt Richtwert 5 €). Vom Anleger sind es rund 20 Minuten zu Fuß bergauf, wer Kraft sparen will, nimmt den kleinen Shuttlebus. Ein Flammkuchen auf der Terrasse des Restaurants, mit Blick hinab ins Tal, ist außergewöhnlich – und das Schiff, auf dem man vor einer Stunde saß, sieht von hier aus wie ein Modell.
Der Sessellift von Boppard – das Tal von oben, das kein Schiff zeigt
Rund 12 Minuten weiter mit dem Nahverkehr liegt in Boppard der zweite Star dieser Route. Ein 915 m langer Sessellift (hin und zurück 11 €) bringt Sie auf die Höhe zu zwei Aussichten: der hufeisenförmigen großen Rheinschleife und dem Vierseenblick, bei dem der Fluss wie vier getrennte Seen wirkt. ⚠April–Oktober, 10–18 Uhr, Barzahlung empfohlen. Schon die 15 Minuten Fahrt mit baumelnden Beinen über den Weinbergen sind die Attraktion.

Die Drosselgasse – Riesling und ein Rüdesheimer Kaffee
Abends geht es zurück nach Rüdesheim, dem Ausgangspunkt, in die Drosselgasse – in der nur rund 2 m breiten Gasse reihen sich Weinlokale aneinander. Ein Glas Riesling und der Rüdesheimer Kaffee (flambierter Asbach im Kaffee, gekrönt mit Sahne), und die volle Folge aus Fluss, Burgen, Höhe und Wein ist an einem Tag komplett. Wenn die Tagesgäste weg sind, ist der Platz ein anderer Ort (Köln und das Rheintal – die Route).
Drei in Frankfurt – tagsüber Altstadt, abends Apfelwein
Frankfurt wird gern als Umsteigestadt abgetan, aber der Kern ist in einem halben Tag zu Fuß machbar. Vom Flughafen zum Hauptbahnhof sind es rund 15 Minuten mit der S-Bahn.
Römerberg – Rathaus seit 1405 und Fachwerkhäuser
Die Treppengiebel des „Römer”, seit 1405 das Rathaus, und die Fachwerkhäuser rund um den Platz: ein mittelalterliches Bild, das dem Image der Bankenstadt widerspricht (der Platz ist frei, der Kaisersaal im 1. Stock kostet 3 €). Der Bereich vom Platz zum Dom ist die neue Altstadt (Quartier DomRömer), in der die im Krieg zerstörte Altstadt 2018 wiederaufgebaut wurde – dieses „nagelneue Mittelalter” ist ein eigenartiges Stadtbild und, mitsamt der Kritik daran, eine Sehenswürdigkeit.
Kaiserdom und „Mainhattan” – Krönungen vor einer Bankenskyline
Zwei Gehminuten vom Platz ist der Dom (Kaiserdom) die „Kirche des Reiches”, in der die Kaiser gewählt und gekrönt wurden. Das Innere ist frei, und von April bis Oktober kann man den Turm besteigen (3 €, 328 Stufen). Von der Aussichtsplattform in 66 m steht der gotische Turm aus rotem Sandstein direkt vor einem Wald aus Bankentürmen – die doppelte Skyline, die man „Mainhattan” nennt. Wer Zeit hat, fasst vom Eisernen Steg Altstadt und Hochhäuser in ein Bild.
Apfelwein in Sachsenhausen – rund 2,50 € für 0,3 l
Wenn es dunkel wird, geht es über den Main nach Sachsenhausen. Bestellt kommt er im blaugrauen Steinkrug, dem Bembel, mit dem rautengeschliffenen Geripptes-Glas. Der eigenwillig herbe Geschmack scheidet die Geister, aber bei rund 2,50 € für 0,3 l gehört auch der Preis dazu – das ist der Geschmack des Frankfurter Alltags (seit 2022 immaterielles Kulturerbe Deutschlands). An einem langen Tisch neben Einheimischen zu sitzen, gehört zur Form.
⚠Am Wochenende fährt außerdem der Apfelwein-Express „Ebbelwei-Express” – für 8 € mit Getränk und Brezel rund eine Stunde als Rundfahrt durch die Stadt. ⚠Einsteigen kann man an allen 23 Haltestellen, aber wer aussteigt, verliert die Fahrkarte, und an Bord gilt nur Barzahlung (Frankfurt Reisetipps).

Nach Tagen – wie weit diese zwölf Ziele reichen
- 90 Minuten Umstieg – nur der Dom: eine Gehminute vom Kölner Hauptbahnhof. Das Kirchenschiff ansehen, zur Brücke und zurück – damit haben Sie den Gipfel der deutschen Gotik berührt
- Ein Tag – das Tal als Tagesausflug: ab Frankfurt rund 100 Minuten auf dem Wasser, zwei Stunden auf Burg Rheinfels und zwei Stunden für den Abstecher nach Boppard. Das passt sauber in einen Tagesausflug
- Vier Tage – alle zwölf Ziele: Köln bis Frankfurt als Achse, ein Tag im Tal, ein halber Tag plus Abend in Frankfurt. Amsterdam ist rund drei Stunden mit dem ICE entfernt, es lässt sich also auch mit den Niederlanden verbinden (Niederlande-Deutschland-Route)
Drei Dinge, die vor der Abreise feststehen sollten
- Ob die Schiffe in diesem Monat fahren — ⚠von Ende Oktober bis Anfang April gibt es keine Linienschiffe, und der Sessellift in Boppard läuft April–Oktober. Wenn das Tal der Grund der Reise ist, entscheidet das die Jahreszeit selbst
- Turm am Morgen, Schiff am Mittag — der Südturm hat 533 Stufen und keinen Aufzug, also vor dem Andrang und der Hitze hinauf. Das Schiff will die Stunden, in denen das Licht auf dem Wasser liegt. Hält man diese beiden in der Reihenfolge, trägt der Tag
- Köln oder Frankfurt als Standort — rund eine Stunde mit dem ICE, das Tal ist also von beiden aus ein Tagesausflug. Wer fliegt, nimmt Frankfurt; wer über Land aus den Niederlanden kommt, Köln
Preise und Betriebszeiten ändern sich. Besonders die Eintrittsregelung am Dom ist gerade erst in Kraft getreten – vor dem Besuch die offizielle Website prüfen. Das ganze Land im Überblick steht im Deutschland-Reiseführer.


