Dänemark gilt als eines der sichersten Länder Europas, und das Auswärtige Amt gibt weder eine Reisewarnung noch eine Teilreisewarnung aus. Der Ruf hat allerdings eine Kehrseite: Man wird nachlässig. Was Besuchern in Kopenhagen tatsächlich passiert, sind Diebstähle – am Cafétisch, im Gedränge, an der Haltestelle.
Dieser Artikel stützt sich auf drei öffentliche Quellen: die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Dänemark (Stand 3. Oktober 2026), die Kampagne, mit der die Kopenhagener Polizei seit Juni 2026 Touristen anspricht, und die Zahlen von Danmarks Statistik, dem dänischen Statistikamt. Er ordnet die Orte, die Maschen und die Reihenfolge, falls es Sie trifft.

Die Lage in Dänemark – vor allem Diebstähle
Das Auswärtige Amt fasst es knapp: Kleinkriminalität kommt insbesondere in den größeren Städten vor, und in Kopenhagen steigt in den Sommermonaten das Risiko von Taschendiebstählen.
Die Statistik zeigt, wo das eigentliche Risiko liegt. 2025 waren 83 Prozent der bei der dänischen Polizei angezeigten Straftaten nach dem Strafgesetzbuch Eigentumsdelikte – Diebstahl, Einbruch und Ähnliches (Danmarks Statistik, Veröffentlichung vom 19. Februar 2026). Für Reisende lautet die Frage deshalb nicht „Ist es gefährlich?“, sondern „Wie werde ich nicht bestohlen?“.
Wo es passiert – dort, wo jeder vorbeikommt

Das Auswärtige Amt wird hier ungewöhnlich konkret. Es nennt beliebte Ausflugsziele und Orte mit naturgemäß hohen Besucherzahlen – und zählt sie einzeln auf.
- Der Hauptbahnhof – wer mit dem Zug aus Deutschland ankommt, steigt genau hier aus.
- Die Metro zwischen Flughafen und Innenstadt – mit Koffer, Dokumenten und dem Blick auf dem Handy.
- Die Haltestellen der Fernbusse – mit Gepäck, beim Ein- und Aussteigen.
- Der Rathausplatz und die Museen.
- Die Wachablösung vor Schloss Amalienborg – täglich um zwölf Uhr, wenn alle gleichzeitig nach vorn schauen.
Die Kopenhagener Polizei nennt dazu Sehenswürdigkeiten, Einkaufszentren und Haltestellen des Nahverkehrs. Das sind keine Orte, die man meiden wird – sie bilden den Kern von unseren Sehenswürdigkeiten in Dänemark. Statt die Route zu ändern, ändern Sie, wie Sie Ihre Sachen tragen.
Die Maschen – erst ablenken, dann zugreifen
Seit Juni 2026 verteilt die Kopenhagener Polizei an Kreuzfahrtpassagiere und Touristen in der Innenstadt ein englischsprachiges Faltblatt, „Protect yourself against theft“. Das Prinzip ist immer dasselbe: Verwirrung stiften, die Aufmerksamkeit ablenken, dann Handy oder Geldbörse nehmen. Die drei folgenden Szenarien sind die, die es nennt.
Der Zettel-Trick – im Café
- Jemand tritt mit einer Karte, einem Stadtplan oder einem Blatt Papier an Ihren Tisch und hält es Ihnen hin.
- Das Blatt landet auf dem Tisch, über Ihrem Handy. Wenn die Person geht, geht das Handy mit.
- Die Abwehr: nichts auf den Tisch. Das Handy in eine geschlossene Tasche, und ein „Nein, danke“, ohne ins Gespräch zu gehen.
Der Tanz-Trick – im Gedränge
- Ein Fremder will plötzlich unbedingt mit Ihnen tanzen, umarmt Sie oder rückt Ihnen dicht auf den Leib.
- Der Druck auf den Körper überdeckt die Hand, die in Ihre Taschen greift – genau das macht den Trick wirksam.
- Die Abwehr: einen Schritt zurück, die Arme frei, eine Hand an der Tasche. Merken Sie, dass Sie bestohlen werden, rufen Sie laut – das rät die Polizei ausdrücklich.
Die „Hilfe“ mit dem Gepäck – Bahnhof und Haltestelle
- Das Faltblatt warnt auch vor Menschen, die darauf bestehen, Ihr Gepäck zu tragen. Beim Einsteigen in den Zug ist eine Tasche in fremder Hand eine Tasche, die in die andere Richtung gehen kann.
- Behalten Sie Ihr Gepäck im Blick und in Reichweite, auch im Zug, und lehnen Sie Hilfe ohne Entschuldigung ab.
- Am Geldautomaten und an der Kasse die PIN immer verdecken – der andere ausdrückliche Hinweis der Polizei.
Christiania und Nørrebro – wo das Auswärtige Amt zur Zurückhaltung rät
Neben den Diebstählen nennt das Auswärtige Amt zwei Stadtteile beim Namen: Im „Freistaat Christiania“ und in Nørrebro kam es 2024 mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Schießereien zwischen Banden. Die Empfehlung lautet, dort besonders aufmerksam und zurückhaltend zu sein.
- Christiania – die Bewohner verbitten sich in einigen Bereichen das Fotografieren. Wörtlich nehmen: Die Kamera bleibt in der Tasche, das Handy auch.
- Nørrebro – ein Wohnviertel mit Cafés und Läden, das viele Besucher abseits der Sehenswürdigkeiten aufsuchen. Das Auswärtige Amt rät nicht, es zu meiden, sondern zu Aufmerksamkeit – ein Café-Besuch ist kein Fehler.
- Terrorismus – die mehrfachen Koranverbrennungen in Kopenhagen 2023 bilden weiterhin die Grundlage dafür, dass die dänische Regierung von einer erhöhten Bedrohungslage ausgeht. Seien Sie an belebten Orten und bei ungewöhnlichen Ereignissen aufmerksam und folgen Sie den Anweisungen der Behörden.
Die Vorkehrungen – sich vom „sicheren Land“ nicht einlullen lassen

- Nichts auf dem Tisch – weder Handy noch Geldbörse noch Schlüssel: mehr braucht der Zettel-Trick nicht.
- Taschen geschlossen und vorn, die Geldbörse nie in der Gesäßtasche – so rät es die Kopenhagener Polizei.
- Wenig Bargeld: In Dänemark werden auch Kleinstbeträge mit Karte oder Handy bezahlt; 2025 liefen mehr als neun von zehn Zahlungen im Handel digital, Bargeld kam auf 9 Prozent (Danmarks Nationalbank). An Parkautomaten und im Nahverkehr wird Bargeld gar nicht angenommen: Fahrkarten gibt es an den Automaten aller Metrostationen oder in der offiziellen App Rejsebillet. Die verbreitete App MobilePay können Sie ohne dänische CPR-Nummer nicht nutzen – nehmen Sie eine gängige Kredit- oder Debitkarte mit.
- Die Dokumente: Für Dänemark genügt der Personalausweis. Speichern Sie ein Foto davon in der Cloud – es beschleunigt den Ersatz. Aber: Eine Kopie ersetzt das Dokument nicht; einreisen können Sie nur mit dem eigenen Ausweis oder Pass.
- Nichts Sichtbares im Auto: An Raststätten und Parkplätzen keine Wertsachen offen liegen lassen und abschließen.
- Tränengas und Messer bleiben zu Hause: Anders als in Deutschland sind Führen, Handel und Einfuhr von Tränengasspray in Dänemark verboten, und Messer dürfen in der Öffentlichkeit nicht mitgeführt werden – auch nicht am Rastplatz, wo sie im abgeschlossenen Auto bleiben.
Häufige Fragen
Ist Dänemark sicher?
Ja – es besteht keine Reisewarnung. Aber 83 Prozent der 2025 angezeigten Straftaten waren Eigentumsdelikte, und in Kopenhagen steigt im Sommer das Risiko von Taschendiebstählen. Ein sicheres Land heißt nicht: offene Tasche.
Haben es Diebe besonders auf Touristen abgesehen?
Ja. Die Kopenhagener Polizei schreibt, dass Diebe häufig Touristen und ihre Wertsachen als Ziel wählen – genau deshalb spricht ihre Kampagne Besucher auf Englisch an. Das ist keine Frage der Herkunft, sondern des Verhaltens: die Kamera in der Hand, der Stadtplan offen, die Aufmerksamkeit woanders.
Wann ist besondere Vorsicht geboten?
Im Sommer. Das Auswärtige Amt nennt ausdrücklich die Sommermonate, und auch die Polizei stellt jedes Jahr mehr angezeigte Diebstähle fest, wenn sich die Stadt mit Besuchern und Kreuzfahrtpassagieren füllt.
Wenn es passiert – die Reihenfolge vorher festlegen
Nummern erst nach dem Diebstahl zu suchen kostet Zeit. Legen Sie die Reihenfolge vor der Abreise fest.
- 1) Polizei: 114 – die Nummer der dänischen Polizei für alles, was kein Notfall ist. Die Kopenhagener Polizei bittet, einen Diebstahl sofort zu melden. Im Notfall wählen Sie die 112 – wie in Deutschland.
- 2) Karten sperren: über den Sperr-Notruf +49 116 116 oder direkt bei Ihrer Bank. Nicht jede Bank ist dem Sperr-Notruf angeschlossen – prüfen Sie das vor der Abreise und notieren Sie die Nummer, nicht auf der Karte selbst.
- 3) Ausweis weg: Anzeige bei der Polizei, dann zur Deutschen Botschaft Kopenhagen (Kontakt und Öffnungszeiten auf ihrer Website). Das gespeicherte Foto des Ausweises beschleunigt den Ersatz.
- 4) Die polizeiliche Bescheinigung aufheben – Versicherungen verlangen sie in der Regel. Ob Reisegepäck überhaupt mitversichert ist, klären Sie besser vorher (Reiseversicherung: was Sie wirklich brauchen).
Weiterlesen – die Dänemarkreise zusammenbauen
- Die Gesamtplanung → Kopenhagen Reisetipps
- Die Ziele in einer Liste → Dänemark: die Sehenswürdigkeiten
- Der Garten bis in die Nacht → Tivoli Kopenhagen
- Ein halber Tag Türme und Festung → Kopenhagen: Türme-Spaziergang
- Das Land im Überblick → Dänemark-Reiseführer
Die Lage kann sich ändern. Prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Dänemark und tragen Sie Ihre Reise in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND ein; so erreichen Sie aktuelle Warnhinweise, und im Ernstfall lässt sich die Unterstützung durch die Botschaft leichter organisieren (Quellen dieses Artikels geprüft am 3. Oktober 2026).



