Roofed excavation site of Akrotiri, Santorini

Akrotiri: Ausgrabung auf Santorin

PHOTO: TRAVELERS ROUTE

Am Südzipfel von Santorin: eine vor 3.600 Jahren verschüttete Stadt unter dem Dach, älter als Pompeji – und ohne einen einzigen Leichnam. Rundgang und Praxis.

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17 Min. Lesezeit

Die meisten Santorin-Besucher kommen wegen des Caldera-Panoramas und des Sonnenuntergangs. Doch am Südzipfel der Insel ist unter einem Dach eine Stadt bewahrt, die vor rund 3.600 Jahren von einem Ausbruch komplett verschüttet wurde. Über 1.500 Jahre älter als das vom Vesuv begrabene Pompeji. Und der entscheidende Unterschied: Hier wurde nicht ein einziger menschlicher Leichnam gefunden. Die Bewohner hatten die Stadt vor dem Ausbruch verlassen. Dieser Artikel fasst den Rundgang durch die Ausgrabung von Akrotiri aus eigener Anschauung zusammen (Preise und Zeiten Stand Juli 2026).

Zuerst das Fazit – Akrotiri ist „die Ausgrabung unter dem Dach“

  • Die gesamte Ausgrabung ist von einem riesigen Dach überdeckt. Der einzige Ort auf Santorin, an dem man selbst mittags im Hochsommer im Schatten läuft. Anders gesagt: Man muss nicht „die kühle Tageszeit abpassen“
  • Eine Stunde reicht. Bei unserem Besuch kamen wir um 11:33 Uhr am Eingang an und gingen um 12:34 Uhr wieder hinaus. Man geht einmal über einen hölzernen Steg herum, verlaufen kann man sich nicht
  • Die Wandmalereien sind nicht hier. Die wichtigsten der ausgegrabenen Fresken und Funde wurden ins Museum in Fira gebracht. Wer nur die Ausgrabung sieht und wieder fährt, verpasst die Hälfte dieser Stadt

Die gesamte Planung eines Santorin-Aufenthalts fassen wir im Santorin-Reiseguide zusammen. Diese Ausgrabung erfordert eine Fahrt mit Mietwagen oder Bus bis zum Südzipfel der Insel, daher baut man sie am effizientesten in den Tag der Inselrundfahrt ein.

Was vor 3.600 Jahren geschah – die Stadt, deren Bewohner verschwanden

Um 1600 v. Chr. (die Radiokarbondatierung setzt es zwischen 1620 und 1530 v. Chr. an) brach auf dieser Insel ein gewaltiger Vulkan aus. Das Zentrum der Insel flog davon, das Meer strömte herein, und es entstand die Steilküste der Caldera, die wir heute „Panorama“ nennen. Derselbe Ausbruch schloss die Stadt am Südzipfel unter mehreren Metern Bimsstein ein.

Ab hier kommt der entscheidende Unterschied zu Pompeji. Aus Akrotiri kam kein einziger unbestatteter menschlicher Knochen zutage. Auch Edelmetall wurde kaum gefunden. Man geht also davon aus, dass die Bewohner die Vorzeichen des Ausbruchs (vermutlich Erdbeben) deuteten und die Insel mit ihrem Hab und Gut planvoll verließen. Verschüttet wurden nur die Gebäude und die großen Geräte, die man nicht mitnehmen konnte. Beim Gehen sieht man auf dem Boden abgestellte Mühlsteine und Krüge, die dort wie mitten im Aufräumen zurückgeblieben sind.

Höhepunkt 1 – die dreistöckige Stadt und die Entwässerung aus vorchristlicher Zeit

Tritt man unter das Dach, überrascht zuerst die Größe der Stadt. Dank des schützenden Bimssteins sind die Mauern nicht nur ein Stockwerk, sondern bis zur Höhe von drei Stockwerken erhalten. Gepflasterte Straßen ziehen sich durch, und die Gebäude waren mit einer Entwässerung ausgestattet. Dass es im bronzezeitlichen Mittelmeerraum ein derart geordnetes Stadtleben gab, steht einem hier vor Augen.

Der Steg ist über die Ausgrabungsstätte gespannt, sodass sich Abschnitte, die man von oben überblickt, mit Abschnitten abwechseln, deren Mauern man auf Augenhöhe fast berühren kann. Fürs Foto eignet sich eine Weitwinkelaufnahme, in der der Kontrast aus der Kurve des Holzdachs und dem weißen Bimsstein wirkt. Da man drinnen ist, muss man sich um Gegen- oder Mitlicht nicht kümmern.

Höhepunkt 2 – die Wandmalereien sind nicht hier. Im Set mit dem Museum in Fira

Berühmt gemacht haben Akrotiri eigentlich die Wandmalereien. Das „Frühlingsfresko“ mit einer Frühlingsszene, die blauen Affen, die Prozession der Schiffsflotte – diese Fresken, die den ästhetischen Sinn der minoischen Kultur überliefern, sind nicht in der Ausgrabung, sondern im Prähistorischen Museum in Fira ausgestellt (Eintritt rund 10 €, Stand Juli 2026). In der Ausgrabung das Gerüst der Gebäude sehen und im Museum die Bilder, die diese Wände schmückten – in dieser Reihenfolge wird die Stadt endlich räumlich.

Erlaubt es die Zeit, ist es ideal, am selben Tag nach Fira zurückzukehren, doch vom Südzipfel bis ins Zentrum ist es weit. Hat man die Unterkunft in Fira, ist eine Aufteilung realistisch: die Ausgrabung am Vormittag, das Museum am Abend.

Höhepunkt 3 – der Luxus „einer Stunde im Schatten“

Im Hochsommer ist die Sonne auf Santorin brutal, und weder in Oia noch in Fira gibt es viel Schatten. Darin ist Akrotiri die einzige große Sehenswürdigkeit, die vollständig überdacht ist. Verbringt man die härteste Zeit der Mittagsstunden hier, wird der Inseltag erstaunlich leichter. Tatsächlich haben auch wir die für einen Spaziergang draußen schlimmste Zeit von halb zwölf bis halb eins dieser Ausgrabung gewidmet.

Wenige Autominuten von der Ausgrabung entfernt liegt der Red Beach. Eine kleine, von roten Steilwänden umschlossene Bucht – hier gibt es null Schatten. Sinnvoll ist die Reihenfolge „mittags Akrotiri, vor dem Abend Red Beach“.

Praktische Infos zur Ausgrabung von Akrotiri

  • Eintritt: rund 20 € (mit steigender Tendenz, Zahlung vor Ort). Das Prähistorische Museum in Fira rund 10 € (beides Richtwerte, Stand Juli 2026; Aktuelles am Aushang vor Ort und offiziell prüfen)
  • Öffnungszeiten: im Zeitfenster 8:00–20:00 Uhr (mit saisonalen Schwankungen). Bitte kurz vor dem Besuch prüfen
  • Dauer: nur die Besichtigung rund 1 Stunde. Im Set mit dem Museum ein halber Tag
  • Anfahrt: am Südzipfel der Insel. Mietwagen oder Bus. Von Fira und Oia ist es weit, daher in den Tag der Inselrundfahrt einbauen
  • Kleidung: drinnen, aber der Boden ist Sand und Kies. Statt Sandalen lieber feste Schuhe

Wer keinen Mietwagen nimmt oder mit Erläuterungen tiefer einsteigen möchte, fährt mit einer geführten Tour sicher. Die Ausgrabung hat nur ein Minimum an Erklärtafeln, sodass sich der Eindruck mit oder ohne Guide völlig unterscheidet.

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Touren zur Ausgrabung von Akrotiri, Weingut-Touren, Sonnenuntergangs-Cruise und mehr. Viele Erlebnisse lassen sich vorab buchen. Ideal für die Inselrundfahrt an Tagen ohne Mietwagen.

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Wo im Aufenthalt es hingehört – sein Platz in einem Santorin-Tag

Akrotiri liegt im Süden der Insel, in einer anderen Richtung als die Spaziergänge in Oia oder Fira. An welchem Tag man es einschiebt, ändert erheblich, wie viel Weg verloren geht.

  • Zuerst die Form der Insel begreifen: Santorin ist der Rand einer Caldera nach einem gewaltigen Vulkanausbruch; die Innenseite der Sichel ist eine mehrere hundert Meter hohe Steilwand. Die beiden Hauptorte sind Oia, berühmt für den Sonnenuntergang, und Fira, der Verkehrsknoten; die Stätte liegt südlich davon
  • Auf den Miettag legen: Mit dem Bus geht es, doch ein einziger Miettag (Auto oder ATV) verändert die Freiheit grundlegend. Am selben Tag wie die Ziele im Inselinneren spart man sich den halben Tag Fahrt nur für die Stätte
  • Orte morgens und abends, die Stätte über Mittag: In Oia sind die leeren Gassen vor 8 Uhr und die Stunde vor Sonnenuntergang zum Gehen da, die pralle Mittagshitze nicht. Akrotiri, wo man unter einem Dach im Schatten geht, ist genau das, wofür dieser Mittag gedacht ist
  • Die Fresken stehen im Museum in Fira — legt man den Rückweg von der Stätte über Fira, verbindet man „Ort und Fresken“ am selben Tag

Am sinnvollsten ist diese Stätte also als Auffangort für die heißen Stunden. Das Gesamtbild der Insel steht in Santorin-Reisetipps.

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