The square before the People's Committee building, Ho Chi Minh City

Ist Vietnam sicher? Diebstahl vom Moped, Fallen und was für Deutsche anders ist

PHOTO: TRAVELERS ROUTE (aufgenommen im Februar 2023)

Wenig Gewalt gegen Ausländer, aber mehr Diebstähle in Touristengebieten: was das Auswärtige Amt für Vietnam konkret nennt – vom Moped aus, im Hotelzimmer, am Hoan-Kiem-See, bei der Einladung nach Hause. Dazu, warum der Personalausweis nicht reicht und warum die Anzeige sofort am Tatort sein muss.

Travelers Route  /  Artikel

25 Min. Lesezeit

Vietnam ist kein gefährliches Land im üblichen Sinn: Die Kriminalitätsrate ist niedrig, und es gibt wenig Gewaltkriminalität gegen Ausländer. Was Reisenden tatsächlich passiert, ist alltäglicher und gezielter – ein Handy, das vom Moped aus weggerissen wird, Bargeld, das aus dem Hotelzimmer verschwindet, eine Einladung zum Kartenspiel, die teuer endet.

Dieser Artikel stützt sich auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Vietnam (Stand 3. Oktober 2026), die ungewöhnlich genau Orte und Situationen beschreiben, und auf das, was wir selbst in Ho-Chi-Minh-Stadt getan haben, um keine Gelegenheit zu bieten. Am Ende steht ein Schritt, den viele Reisende nicht kennen: Die Anzeige muss sofort am Tatort erstattet werden – nachträglich nimmt die Polizei sie nicht mehr auf.

Landmark 81 über dem Saigon-Fluss bei Nacht Landmark 81 over the Saigon River at night
Das Zentrum von Ho-Chi-Minh-Stadt lässt sich gut zu Fuß erkunden – wenn man weiß, auf welcher Seite man das Handy hält — PHOTO: TRAVELERS ROUTE

Die Lage in Vietnam – wenig Gewalt, mehr Diebstahl

Das Auswärtige Amt gibt für Vietnam weder eine Reisewarnung noch eine Teilreisewarnung aus. Es beschreibt die Kriminalitätsrate als niedrig, beobachtet aber einen Anstieg von Kleinkriminalität wie Diebstahl, insbesondere in Touristengebieten. Das Risiko hängt also weniger am Land als daran, erkennbar auf der Durchreise zu sein.

Ein zweiter Punkt betrifft Reisende aus Deutschland unmittelbar, und er hat mit Diebstahl nichts zu tun: Öffentliche Demonstrationen sind in Vietnam verboten, und regierungskritische Beiträge in sozialen Medien werden häufig strafrechtlich verfolgt – auch wenn sie aus Deutschland heraus veröffentlicht wurden. Das Auswärtige Amt berichtet von Fällen, in denen deutsche Staatsangehörige mit vietnamesischen Wurzeln vorübergehend an der Ausreise gehindert und polizeilich vernommen wurden; die deutschen Vertretungen wurden darüber nicht informiert.

Nguyen-Hue-Boulevard und Volkskomitee, Ho-Chi-Minh-Stadt Nguyen Hue plaza
Der Nguyen-Hue-Boulevard – tagsüber gut zu Fuß, nur das Handy nicht zur Fahrbahn hin halten — PHOTO: TRAVELERS ROUTE (aufgenommen im Februar 2023)

Vier Arten, bestohlen zu werden – und wo es passiert

Das Auswärtige Amt belässt es nicht bei „Touristengebieten“. Es nennt Städte und Situationen: Ho-Chi-Minh-Stadt, Nha Trang und Hanoi, den Bahnhof von Hanoi, den Hoan-Kiem-See – und den Moment, in dem man mit Gepäck vor dem Hotel steht. Das sind die Stationen fast jeder Reiseroute; man meidet sie nicht, man kennt sie.

① Vom Moped aus – vor allem vor dem Hotel

In Ho-Chi-Minh-Stadt, Nha Trang und Hanoi mehren sich Handtaschen- und Gepäckdiebstähle von vorbeifahrenden Mopeds aus und nach Ablenkungsmanövern durch Kinderbanden – insbesondere bei Ankunft und Abreise vor dem Hotel. Der Dieb nimmt im Vorbeifahren, was man in der Hand hält, ohne anzuhalten.

  • Was es trifft: das, was man in der Hand oder auf der Straßenseite trägt – ein Handy, eine kleine Tasche.
  • Der Handgriff, der alles ändert: Als wir in Ho-Chi-Minh-Stadt unterwegs waren, blieb das Handy immer in der Hand auf der von der Fahrbahn abgewandten Seite. Für einen Blick auf die Karte bleibt man stehen und tritt an die Hauswand – die Gelegenheit ist weg.
  • Vor dem Hotel: Beim Ein- und Ausladen bleibt das Gepäck nicht unbeobachtet am Straßenrand stehen, und die Tasche mit den Dokumenten bleibt am Körper.
Motorroller vor der Tan-Dinh-Kirche, Ho-Chi-Minh-Stadt Motorbikes in front of Tan Dinh Church
Mopeds säumen den Straßenrand – die Tasche gehört auf die Hausseite — PHOTO: TRAVELERS ROUTE (aufgenommen im Februar 2023)

② Im Hotelzimmer, am Bahnhof, im Nachtbus

Drei weitere Orte nennt das Auswärtige Amt: das Hotelzimmer – Bargeld wird verstärkt aus Hotelzimmern gestohlen, auch in Hotels der gehobenen Kategorie –, den Bahnhof von Hanoi, wo vor allem Reisende mit dem Nachtzug aus Hue oder Sapa bestohlen wurden, und die Überlandbusse, besonders nachts.

  • Bargeld und Pass in den Safe, nicht in den Koffer – und nur so viel Bargeld im Zimmer, wie man verlieren kann.
  • Eine Kopie der Datenseite des Passes und des Einreisestempels tragen Sie bei sich: Ausländer müssen sich jederzeit ausweisen können, und das Auswärtige Amt rät ausdrücklich zu dieser Kopie für Polizeikontrollen.
  • Ankunft mit dem Nachtzug: Wer verschlafen in Hanoi aussteigt, ist genau die Situation, die das Amt beschreibt. Gepäck vor dem Aussteigen zusammenhalten, Wertsachen am Körper. Im Überlandbus nachts gilt dasselbe; bei einem Übergriff – betroffen sind vor allem alleinreisende Frauen – auf einer Anzeige bestehen, zuständig ist die Polizei am Zielbusbahnhof.

③ Am Hoan-Kiem-See – Fotogebühr und schmutzige Schuhe

In Hanoi, vor allem am Hoan-Kiem-See, gibt es immer wieder Betrugsversuche. Straßenverkäufer verlangen für ein Foto eine „Gebühr“; in anderen Fällen werden Schuhe beschmutzt oder mit Klebstoff beschmiert, abgenommen und gegen eine „Rückgabegebühr“ zurückgegeben. Die Antwort des Auswärtigen Amts ist praktisch: vor dem Fotografieren von Straßenverkäufern um Erlaubnis fragen, Angebote notfalls laut ablehnen und Abstand zu Schuhputzern halten. Bekannt sind außerdem Fälle, in denen Kreditkarten kopiert und danach belastet wurden – die Karte also nicht aus der Hand geben.

④ Die Einladung nach Hause – und was im Glas sein kann

Die aufwendigste Masche beschreibt das Auswärtige Amt für Ho-Chi-Minh-Stadt: Ausländer werden unter einem Vorwand angesprochen – eine angebliche Begegnung am Flughafen, ein Verwandter, der bald in Europa studieren soll – und nach Hause eingeladen. Nach einer geselligen Stunde folgt ein Kartenspiel, das man verliert, und unter Drohungen sollen angebliche Spielschulden bezahlt werden.

  • Keine Einladungen von Unbekannten in Privathäuser annehmen – so deutlich steht es in den Hinweisen.
  • Getränke und Speisen nie unbeaufsichtigt lassen: In von Reisenden besuchten Bars und Clubs größerer Städte und auf der Insel Cat Ba kommt es vereinzelt zu K.-o.-Tropfen.
  • Kein kostenloser „Welcome Shot“ und kein selbstgebrannter Schnaps: Es besteht die Gefahr einer Methanolvergiftung durch gepanschten Alkohol – auch bei Homestays auf dem Land, wo Selbstgebranntes häufig serviert wird.

Unterwegs und bezahlen – was wir vor Ort gemacht haben

Der Verkehr von Ho-Chi-Minh-Stadt von oben Ho Chi Minh City traffic from above
Eine stark befahrene Hauptstraße – beim Queren wie beim Fahren schützt am Ende, nichts zu erzwingen — PHOTO: TRAVELERS ROUTE (aufgenommen im Februar 2023)

Mit den Maschen im Kopf sieht der Alltag vor Ort so aus. Nichts davon ist spektakulär; es geht vor allem darum, wie oft man die Geldbörse auf der Straße öffnet.

  • In der Stadt eine Fahrdienst-App (Grab): Ziel und Preis stehen vor dem Einsteigen fest, ohne Verhandlung am Bordstein. Installieren und bestätigen Sie das Konto vor der Abreise.
  • Am Flughafen nur offizielle Taxis – und auch dort Vorsicht: Am offiziellen Taxistand des Flughafens von Ho-Chi-Minh-Stadt kommt es laut Auswärtigem Amt vermehrt zu Betrugsversuchen, manche Fahrer schalten das Taxameter nicht ein. Angeschriebene Preise gelten pro Fahrt, nicht pro Person. Im Streitfall bitten Sie am Hotel das Personal um Hilfe, bevor Sie bezahlen.
  • Nach Einbruch der Dunkelheit keine Cyclos und keine Motorradtaxis (Xe Om). Fahrkarten für Bus und Bahn nur an offiziellen Verkaufsstellen – Vermittler verkaufen überteuerte und teils gefälschte Tickets.
  • Dong-Beträge haben viele Nullen – der größte Schein ist 500.000 Dong. Gewöhnen Sie sich an, die Nullen zu zählen, bevor Sie die Scheine herausnehmen: Je schneller Sie einen Preis lesen, desto kürzer bleibt die Geldbörse auf der Straße offen.
  • Der Straßenverkehr ist laut Auswärtigem Amt eine starke Gefährdung: Die Zahl der Verkehrstoten gehört zu den höchsten der Welt, die meisten Unfälle passieren nach Einbruch der Dunkelheit, und Rettungsflüge innerhalb des Landes gibt es nicht. Das Amt rät, möglichst kein Auto und kein Moped selbst zu mieten. Zu Fuß über die Straße: gleichmäßig und langsam gehen – die Zweiräder weichen aus, solange man berechenbar bleibt.
  • Wer doch fährt: Nötig sind der internationale Führerschein zusammen mit dem deutschen. Mit Klasse B dürfen Sie in Vietnam nichts über 50 cm³ fahren, und die Schlüsselzahl B196 wird nicht anerkannt. Es gilt 0,0 Promille, auch auf dem Fahrrad. Den Pass nie als Pfand beim Verleih hinterlegen. Bootstouren in der Ha-Long-Bucht nur bei renommierten Anbietern.

Häufige Fragen

Ist Vietnam sicher?

Ja, in dem Sinn, dass die Kriminalitätsrate niedrig ist und Gewalt gegen Ausländer selten. Aber die Kleinkriminalität in Touristengebieten nimmt zu, und vom Straßenverkehr geht laut Auswärtigem Amt eine starke Gefährdung aus. Die richtige Lesart: wenig schweres Risiko, viel Aufmerksamkeit für die eigenen Sachen – und für die Straße.

Wo sollte man besonders aufmerksam sein?

Dort, wo das Auswärtige Amt es sagt: in Ho-Chi-Minh-Stadt, Nha Trang und Hanoi vor allem beim Ankommen und Abreisen am Hotel, am Bahnhof von Hanoi nach dem Nachtzug, am Hoan-Kiem-See, in Bars und Clubs der großen Städte und auf Cat Ba – und in Menschenmengen an Flughäfen und Bahnhöfen.

Kann man abends ausgehen?

Ja, mit drei Einschränkungen aus den Hinweisen: nach Einbruch der Dunkelheit keine Cyclos und Motorradtaxis, das Glas nie aus den Augen lassen, und keine kostenlosen Shots. Zu Fuß in den belebten Straßen des Zentrums gelten dieselben Handgriffe wie am Tag – ein leuchtender Bildschirm ist im Dunkeln nur noch weiter sichtbar. Für einen Blick auf die Karte gehen Sie in ein Café oder an die Hauswand.

Reicht der Personalausweis?

Nein. Anders als innerhalb der EU ist die Einreise nach Vietnam nur mit dem Reisepass möglich, und er muss noch mindestens sechs Monate gültig sein. Ohne Visum dürfen Deutsche bis zu 45 Tage bleiben; bei der Einreise ist das Rück- oder Weiterflugticket vorzuzeigen. Prüfen Sie gleich am Schalter, dass Sie einen Einreisestempel mit Gültigkeitsdatum bekommen haben – sonst droht bei der Ausreise ein Bußgeld.

Wenn es passiert – die Reihenfolge vorher festlegen

Nummern erst nach dem Diebstahl zu suchen kostet Zeit, und in Vietnam kostet die Sprachbarriere zusätzlich welche. Legen Sie die Reihenfolge vor der Abreise fest.

  • 1) Sofort zur Polizei am Tatort (Polizei: 113). Das ist in Vietnam der entscheidende Schritt: Nachträglich nimmt die Polizei keine Verlustanzeigen auf, und sie hat die Aufnahme schon verweigert, wenn sie am Hergang oder an den Wertangaben zweifelte. Also nicht erst am nächsten Tag, und nüchtern bei den Fakten bleiben.
  • 2) Karten sperren: über den Sperr-Notruf +49 116 116 oder direkt bei Ihrer Bank. Nicht jede Bank ist dem Sperr-Notruf angeschlossen – prüfen Sie das vor der Abreise und notieren Sie die Nummer, nicht auf der Karte selbst.
  • 3) Pass weg: Anzeige bei der Polizei, dann zur Deutschen Botschaft Hanoi oder zum Generalkonsulat Ho-Chi-Minh-Stadt (Kontakt und Öffnungszeiten auf deren Websites). Der Personalausweis hilft hier nicht – ersetzt werden muss der Pass. Die gespeicherten Kopien der Datenseite und des Einreisestempels beschleunigen das.
  • 4) Die polizeiliche Bescheinigung aufheben – Versicherungen verlangen sie in der Regel. Ob Reisegepäck überhaupt mitversichert ist, klären Sie besser vorher (Reiseversicherung: was Sie wirklich brauchen).

Weiterlesen – die Vietnamreise zusammenbauen

Die Lage kann sich ändern. Prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts zu Vietnam und tragen Sie Ihre Reise in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND ein; so erreichen Sie aktuelle Warnhinweise, und im Ernstfall lässt sich die Unterstützung durch die Botschaft leichter organisieren (Quellen dieses Artikels geprüft am 3. Oktober 2026).

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