Vietnams Sehenswürdigkeiten verteilen sich über ein sehr langes Land – nimmt man aber Ho-Chi-Minh-Stadt als Basis, passen drei ganz verschiedene Arten von Tag in vier Tage und drei Nächte: Stadtbummel, Wasserland und Kriegsgeschichte. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt liegen fußläufig beieinander im 1. Bezirk, und von dort führen zwei Tagesausflüge in entgegengesetzte Richtungen. Genau diese Struktur macht eine erste Vietnamreise so leicht zu bauen.
Dieser Artikel ordnet neun Sehenswürdigkeiten in fünf im Gehradius, zwei für den Abend und zwei Tagesausflüge – mit Preisen, Zeitbedarf und dem jeweils nächsten Schritt. Deutsche Staatsangehörige brauchen für Aufenthalte bis 45 Tage kein Visum (Reisepass mindestens 6 Monate gültig, Weiter-/Rückflugticket vorausgesetzt); alles Weitere steht im Vietnam-Reiseführer (Preise und Regeln, Stand Juli 2026).
Zuerst die Geografie – eine Stadt im Süden, zwei gegenläufige Ausflüge
Vietnam erstreckt sich über mehr als 1.600 km von Nord nach Süd, und Hanoi im Norden und Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden haben grundverschiedene Charaktere. Dieser Artikel behandelt den Süden: Ho-Chi-Minh-Stadt und sein Umland.
Von den beiden Tagesausflügen liegen die Cu-Chi-Tunnel rund 70 km im Nordwesten (1,5–2 Stunden je Richtung) und My Tho, das Tor zum Mekongdelta, etwa zwei Autostunden im Südwesten. Sie liegen in entgegengesetzten Richtungen, lassen sich also nicht an einem Tag verbinden. Die beiden auf getrennte Tage zu legen ist die erste Weiche, wenn man vier Tage plant.
Fünf im 1. Bezirk – alles in einem Radius von 700 m
Der Kern der Stadtbesichtigung liegt fußläufig rund um die Dong-Khoi-Straße im 1. Bezirk. Die folgenden fünf ergeben aneinandergereiht eine Halbtagesrunde. Beim Gehen lernt man vor allem: das Überqueren des ampellosen Motorradstroms ist die Überlebenstechnik dieser Stadt – wer langsam und gleichmäßig geht, um den fließen die Mopeds herum; Stehenbleiben ist gefährlicher. Das ist die erste Lektion, die man vor Ort lernt.
Volkskomitee-Gebäude – das Rathaus der Kolonialzeit
Das Paradebeispiel der Kolonialarchitektur und das frühere Rathaus der französischen Zeit. ⚠Das Innere ist nicht zugänglich, die Besichtigung erfolgt nur von außen, doch zusammen mit dem Platz an der Nguyen-Hue davor ist es der natürliche Ausgangspunkt für einen Spaziergang. Auf dem Platz stehen die Ho-Chi-Minh-Statue und eine Promenade mit Lotusbecken; abends ist alles beleuchtet – ein Ort, den man zweimal besuchen sollte, einmal bei Tag und einmal im Dunkeln.

Nguyen-Hue-Boulevard – das Rückgrat der Stadt
Der Boulevard führt schnurgerade vom Gebäude hinunter zum Saigon-Fluss. Die Mitte ist eine breite Fußgängerzone – einer der wenigen Orte hier, an denen man vom Motorradstrom befreit ist. Wer ihn vom Gebäude im Norden bis zum Fluss im Süden abläuft, hat die Stadt im Kleinen, auf einer Linie.
Kathedrale Notre-Dame und Hauptpost – zwei Nachbarn aus rotem Backstein
Die beiden stehen einander gegenüber auf beiden Seiten der Straße und lassen sich als ein einziges Ziel behandeln. Die Kathedrale ist eine Backsteinbasilika aus der französischen Zeit, die Post hat ein Stahlbogendach derselben Epoche und ist bis heute eine arbeitende Post mit geöffneten Schaltern. Vom Volkskomitee-Gebäude sind es wenige Minuten zu Fuß, also passt es als zweite Station einer Runde durch den 1. Bezirk.
Ben-Thanh-Markt – das südliche Ende des Gehradius
Die überdachte Markthalle am Südrand des 1. Bezirks, dicht gefüllt mit Trockenwaren, Kleidung und Garküchen, taugt als Wendepunkt der Runde. An Ständen ohne Preisschild wird gehandelt, also legen Sie sich vorher eine schnelle Umrechnung im Kopf zurecht – der Dong hat viele Nullen, und wer Preise schnell liest, handelt entspannter.
Cafés rund um Dong Khoi – Kondensmilch- und Egg Coffee
Vietnam ist ein Land, in dem die richtige Antwort auf müde Füße ein Café ist. Kondensmilch-Kaffee, der mit aufgeschlagenem Eigelb zubereitete Egg Coffee und Läden mit Craft-Schokolade aus vietnamesischem Kakao verteilen sich rund um Dong Khoi. Der Wechsel zwischen der Hitze draußen und der Klimaanlage drinnen ist der Trick, um in dieser Stadt lange zu Fuß unterwegs zu sein (Ho-Chi-Minh-Stadt Reisetipps).
Zwei für den Abend – vom Fluss aus sehen oder im Theater sitzen
Dinner-Cruise auf dem Saigon-Fluss – das Richtige für den Ankunftsabend
Der Klassiker für den Abend: Abendessen und Livemusik an Bord, während das Schiff den Fluss hinauf- und zurückfährt, mit Landmark 81, dem höchsten Gebäude Vietnams, und den Lichtern des 1. Bezirks im Vorbeiziehen. Eine gerade erst gelandete Stadt zuerst vom Wasser aus zu sehen, ist eine ausgezeichnete Vorerkundung für die Lauftage danach. Legt man das auf den ersten Abend nach einer Nachmittagsankunft, ist der Anreisetag nicht verloren.

Wasserpuppentheater – feste Tage und Zeiten
Traditionelles Theater, gespielt auf dem Wasser. ⚠Vorstellungen gibt es nur an bestimmten Tagen und Zeiten, wer also hin will, prüft zuerst den Spielplan und baut den Rest des Tages darum herum. Der Standardplatz ist der frühe Abend, direkt nach der Stadtrunde – auch ohne Sprachkenntnisse gut zu verfolgen.
Zwei Tagesausflüge – Wasser im Südwesten, Tunnel im Nordwesten
Mekongdelta (My Tho) – im Ruderboot unter Nipapalmen
Rund zwei Autostunden von der Stadt entfernt ist die Tagestour nach My Tho der Klassiker, englischsprachige Gruppentouren ab ca. 12–19 €. Ein großes Holzboot bringt Sie über die braune Weite des Flusses, auf den Inseln in der Strommitte besichtigen Sie Kokosbonbon-Werkstätten und Obstgärten, und der Höhepunkt sind 10–15 Minuten im handgeruderten Sampan, durch einen wenige Meter breiten, von Nipapalmen überdachten Kanal, mit nichts als dem Geräusch der Riemen. Die meisten Touren enthalten ein Mittagessen rund um den Elefantenohrfisch – ein ganzer frittierter Fisch, am Tisch in Reispapier gewickelt.
⚠Das schlammbraune Wasser ist kein Schmutz, sondern die Farbe der Nährstoffe des Mekong – dasselbe Wasser, das Vietnams größte Kornkammer speist. Wer die Nachmittagsabfahrt mit Glühwürmchen nimmt, bekommt zwei Ausflüge in einem: Nach Sonnenuntergang blinken die Bäume am Ufer wie Lichterketten, und die Glühwürmchen am Mekong fliegen das ganze Jahr. ⚠Prüfen Sie die Abholbedingungen: kostenlose Hotelabholung im 1. Bezirk ist Standard, außerhalb verlangen viele Anbieter Aufpreis (Mekongdelta-Tour).

Die Cu-Chi-Tunnel – hinunter in ein 250 km langes Netz
Rund 70 km nordwestlich der Stadt, 1,5–2 Stunden je Richtung. Das 250 km lange unterirdische Netz, das die Nationale Befreiungsfront im Vietnamkrieg gegraben hat, lässt sich in zwei bis drei Stunden vor Ort begehen. Ein zerstörter Panzer im Freien, Vorführungen von Fallgruben und Sprengfallen, Erdbunker mit Waffenwerkstatt und Küche – und dann der Abschnitt, in dem man selbst in die Tunnel hinuntersteigt. Schon wenige Dutzend Meter durch eine Dunkelheit, in der die Schultern anstoßen, legen einem das Gewicht dieser Kriegsjahre unmittelbar in den Körper.
⚠Es gibt zwei Besucherbereiche. Die meisten Touren fahren nach Ben Dinh (Eintritt ca. 110.000 VND); Ben Duoc ist größer und weniger überlaufen (ca. 90.000–110.000 VND, Besichtigung mit Führung). ⚠Bei günstigen Touren wird der Eintritt mitunter separat berechnet – immer nachfragen. ⚠Das ist ein Ort der Kriegserinnerung, kein Themenpark – hier bestimmt die Qualität der Erklärung die Qualität des Erlebnisses, es lohnt sich also, in eine gute Führung zu investieren (Cu-Chi-Tunnel-Tour).
Nach Tagen – wie weit diese neun Ziele reichen
- 3 Tage – die Stadt und ein Ausflug: Cruise am ersten Abend, den 1. Bezirk zu Fuß am zweiten Tag, ein Tagesausflug am dritten. Sie müssen sich zwischen Cu Chi und dem Mekong entscheiden
- 4 Tage – alle neun Ziele: Cruise am Ankunftsabend, die Stadt an Tag zwei, der Mekong an Tag drei (mit der Glühwürmchen-Variante bis in den Abend), Cu Chi am Vormittag von Tag vier. Eine Vormittagstour bringt Sie am frühen Nachmittag zurück in die Stadt, sodass vor einem Nachtflug noch eine Massage hineinpasst (Ho-Chi-Minh-Stadt Reisetipps)
- 8 Tage – zwei Länder mit Thailand: Bangkok nach Ho-Chi-Minh-Stadt sind rund 1,5 Stunden mit einem Billigflieger. Drei Nächte je Stadt ist die Referenzaufteilung, und mit der milderen Vielfalt Thailands zu beginnen, bevor Vietnam zupackt, ist die Reihenfolge, die wir empfehlen (Thailand-Vietnam-Rundreise)
Drei Dinge, die vor der Abreise feststehen sollten
- In welche Richtung Ihr Tagesausflug geht – Cu Chi liegt im Nordwesten, der Mekong im Südwesten, genau entgegengesetzt. Eine Richtung pro Tag ist die Obergrenze, also entscheidet die Zahl Ihrer Tage, ob Sie beides bekommen
- Grab schon zu Hause einrichten – in der Stadt fährt man am besten ausschließlich mit der Ride-Hailing-App Grab, und die einzige Vorbereitung, auf die es ankommt, ist die SMS-Verifizierung vor der Abreise. Vom Flughafen in den 1. Bezirk rund 100.000–200.000 VND plus 10.000–20.000 VND Flughafengebühr; am sichersten mit hinterlegter Karte
- Die Trockenzeit ansteuern (Dezember–April) – die Regenzeit läuft von Mai bis Oktober, dann sollte man auf Schauer eingestellt sein. Deutsche Staatsangehörige brauchen bis 45 Tage kein Visum (Reisepass mind. 6 Monate gültig, Weiter-/Rückflugticket)
Preise und Regeln ändern sich. Ob Eintritte in einer Tour enthalten oder separat zu zahlen sind und wann das Theater spielt, prüfen Sie am besten kurz vorher auf den Seiten der Anbieter. ⚠Am Flughafen Tan Son Nhat läuft seit April 2026 ein Testbetrieb für eine Online-Voranmeldung (derzeit freiwillig und kostenlos) – vor der Reise den aktuellen Stand prüfen. Das ganze Land im Überblick steht im Vietnam-Reiseführer.



